Page 24 - 2026_Resonanzraeume_Flipbook
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Look zur Musik präsentiert. Auf
der anderen Seite verbreiten sich
Videos nicht zuletzt auch
wegen eingängiger Songsnip-
pets oder Soundschnipseln
aus Serien, Filmen oder von
bekannten Influencern. Musik
verstärkt Emotionen, kann auf-
peitschen, dramatisieren oder
direkter Träger von politischen
Botschaften sein. Das zeigt
nicht zuletzt das Beispiel eines
Liebeslieds von Gigi d’Agostino
mit dem Titel „l’amour toujours“,
das ab Oktober 2023 in sozialen
Netzwerken missbraucht wurde,
indem zur Melodie der gegrölte
Slogan “Deutschland den Deut-
schen, Ausländer raus!“ verbreitet
wurde.
Tonmitschnitte von Hitlerreden,
die mit Techno geremixt wer-
den, wie auch mit KI abgeänderte
Versionen von Liedern, die auch
in der NS-Schutzstaffel zum
Programm gehörten, wie „Wir
sind des Geyers schwarzer
Haufen“ aber auch indizierter
Rechtsrock erreichen durch den
Remix auch über die rechts-
extreme Szene hinaus junge
Menschen. Lieder die auf dem
Index stehen, können als jugend-
gefährdend gelten, auf den Platt-
formen wird dagegen jedoch
kaum vorgegangen. In den dazu-
gehörigen Videos wird deutscher
Nationalismus in Frakturschrift
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mit Berg- und Waldlandschaften
und vermeintlich zu bewahrenden
Bräuchen und Lebensstilen
ausgemalt. NS-verherrlichende
Klangwelten untermalen die Abbil-
dungen von blonden blauäugigen
Familien in Trachtenmode und
werben für eine imaginäre Ver-
gangenheit in einer nicht zu
weit entfernten Zukunft. Was
hier als romantisches Familien-
oder Naturidyll reinszeniert wird,
bekommt durch die Musik den
Anschein des Zu-Bewahrenden
und Schützenswerten. Aber was
soll da geschützt und bewahrt
werden? Eine Welt, von der wir
1945 befreit wurden: Mal mehr,
mal weniger offensichtlich ist es
die einer „arischen“ Familie. Weiß,
hetero, mit klassischen Rollen-
bildern vom Mann als Kämpfer
und der Frau am Herd, die durch
die Geburt von Kindern für die
Erhaltung der Nation zuständig
ist. Die moderne, widersprüchliche
Welt wird hier wie in der klassi-
schen NS-Ideologie jüdisch assozi-
iert und ausgedrückt, dass es gilt,
sie zu bekämpfen. So hat man auch
kein Problem damit, NS-Symbole
oder nationalsozialistisches Lied-
gut zu verbreiten.
Aber auch bekannte Künstler
greifen in Liedern oder in ihren
Shows zu antisemitischer Bild-
sprache bei ihren Social-
Media-Auftritten. Der Rapper Ye/






















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