Page 20 - 2026_Resonanzraeume_Flipbook
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Reichweiten. Eine neue Dimen-
sion bekam dieser Hass noch ein-
mal nach dem 7. Oktober 2023.
Was wir in Bezug auf unser
Thema in den sozialen Medien
erlebt haben, beschreibe ich
in diesem Text als viralen Anti -
semitismus .
14
Und der virale Antisemitismus
hat verheerende Folgen. Denn die
schiere Verbreitung und Sicht-
barkeit antisemitischer Narrative
steigert die Wahrscheinlichkeit
von Übergriffen und Bedrohungen
von Juden und Jüdinnen im
öffentlichen Raum. Laut Jahres-
bericht 2024 der zivilgesellschaft-
lichen „Recherche- und Melde-
stelle Antisemitismus“ RIAS e.V.
gab es in diesem Jahr 24 anti-
semitische Vorfälle – pro Tag!15
Was wir online an tagtäglichem
antisemitischem Grundrauschen
erleben, verbreitet und norma-
lisiert eine Weltanschauung, in
der Juden und Jüdinnen für alles
Übel auf der Welt direkt oder
indirekt verantwortlich gemacht
werden.
Viral gehen
Aber von vorn. Wenn wir über
Viralität sprechen, oder dass „viral
gehen“ einzelner Social Media
Inhalte, müssen wir uns zunächst
die Social Media Entwicklung der
letzten Jahre anschauen.
Die Kurzvideoplattform TikTok
zählt in Deutschland mit mehr als
25 Millionen monatlichen Nutzen-
den zu den populärsten sozialen
Netzwerken. Instagram und You-
Tube haben nachgezogen und
bieten mit Reels und YouTube
Shorts ein ähnliches Kurzvideo-
format an. So gehören sie auch zu
den vier wichtigsten Apps (2024)
in der JIM-Studie, die jedes Jahr
die Mediennutzung junger Men-
schen erforscht.16 Audiovisuelle
Inhalte bestimmen unsere Feeds
und Für-dich-Seiten und damit
auch das, was wir als Popkultur
verstehen.
2018 war TikTok aus der Vor-
gängerplattform musically hervor-
gegangen. Lag zu Beginn der
Fokus noch auf Tanzen und Lip-
syncing (Lippensynchronisation),
14 Amadeu Antonio Stiftung, viraler Antisemitismus, pre:bunk Newsletter, https://crm.amadeu-
antonio-stiftung.de/civicrm/mailing/view?reset=1&id=953&cid=52095&cs=2d872f431ebeaa39e-
2d4a93304b9bfd4_1731045782_168, (abgerufen am 13.11.2025).
15 Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V., https://report-
antisemitism.de/documents/04-06-25_RIAS_Bund_Jahresbericht_2024.pdf, S. 10, (abgerufen am
13.11.2025).
16 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, https://mpfs.de/studie/jim-studie-2024/,
S.26, (abgerufen am 13.11.2025).
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