Page 17 - 2026_Resonanzraeume_Flipbook
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Necessity of Exile . Essays from a
Distance von Shaul Magid10
, Being
Jewish After the Destruction
of Gaza: A Reckoning von Peter
Beinhart11 oder Ezra Kleins Artikel
„Why American Jews No Longer
Understand One Another“12 vom
Juni 2025 zeigen an, dass eine
solche innerjüdische Debatte auch
an den Punkten stattfindet, die die
Schmerzgrenzen einer deutschen
Öffentlichkeit bisweilen über-
steigen.
Eine Anerkennung jüdischer
Lebendigkeit lässt sich also
vielleicht gerade da beweisen,
wo sie die Grenze der deut-
schen erinnerungskulturellen
Erwartung von Versöhnung und
Homogenität überschreitet. Und
ich meine, diese Anerkennung
ist auch eine Voraussetzung
dafür, sich der jüdischen und jid-
dischen Literatur Osteuropas zu
nähern. Man wird darin alles fin-
den – Trauer, Wut, Hass, Hoffnung
und die immense Erschütterung,
die der Nationalsozialismus
bedeutete. Am Ende dieses
Unlearnings des deutschen
Gedächtnistheaters eröffnet sich
den Leser*innen die Möglichkeit,
das jüdische Gegenüber in seiner
historischen – und gegenwärtigen –
Lebendigkeit neu wahrnehmen zu
lernen. Es wäre der große Schritt
über die Zerstörung des europäi-
schen Judentums hinaus, der bis
heute aussteht.
10 Shaul Magid, The Necessity of Exile. Essays from a Distance , 2023.
11 Peter Beinhart, Being Jewish After the Destruction of Gaza. A Reckoning , New York 2025.
12 Ezra Klein, Why American Jews No Longer Understand One Another, New York Times, 20.6.25,
https://www.nytimes.com/2025/07/20/opinion/antisemitism-american-jews-israel-mamdani.html
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