Page 30 - 2026_Resonanzraeume_Flipbook
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sozialen Plattformen (silencing , dt.
zum Schweigen bringen) haben.
Das sollte uns zu denken geben.
Wir alle sind gefragt, uns mit der
Funktion und Bildsprache des Anti-
semitismus auseinanderzusetzen,
bevor man ins Handeln kom-
men kann. Wer eindeutig anti-
semitische Inhalte entdeckt, kann
diese bei der Plattform melden,
online anzeigen oder sich bei
Unsicherheiten an die Melde-
stellen wenden:
www.medienanstalt-nrw.de/
zum-nachlesen/recht-und-
aufsicht/beschwerde.html
www.respectimnetz.de
gestellt oder heruntergespielt.
Antisemitisches Gedankengut
erfährt durch diese Art der Ver-
breitung und die schiere Menge
eine enorme Normalisierung. Das
heißt, es wird denkbar und sagbar.
Hoffnung machen Creator, die sich
gegen Antisemitismus positio-
nieren. Aber auch Gedenkstätten
haben das Potenzial von Platt-
formen wie TikTok erkannt und
bieten Einblicke. Falschinforma-
tionen und Mythen werden in
einigen Formaten erfolgreich
entlarvt und richtig eingeordnet.
Es ist also eine Frage, wie man
politische Bildungsinhalte ver-
mittelt und so aufklärt, dass es
leicht verständlich und auch
relatable für junge Menschen ist.
Plattformen wie TikTok, Insta-
gram und YouTube können the-
matische Einblicke in aktuelle
politische Themen, Demokratie
und Antidiskriminierungsarbeit
bieten; wir sollten sie nicht anti-
demokratischen Akteuren über-
lassen, wenn wir erfolgreich etwas
gegen Antisemitismus tun wollen.
Antisemitische Narrative und
Positionen erscheinen durch
große Reichweite als Stim-
mung von vielen und wichtige
Positionierung. Doch Masse
ist nicht alles, Views sind nicht
unbedingt Zustimmung und was
sich richtig anfühlt, muss nicht
automatisch richtig sein. Inhalte
erscheinen als gute und unter-
stützenswerte Sache, dabei wird
Terror verharmlost und Juden
und Jüdinnen geraten immer
mehr in den Fokus, auch über digi-
tale Sphären hinaus. Selbst das
Gedenken an den Holocaust wird
in kurzen Videos gezielt infrage
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