Page 9 - 2026_Resonanzraeume_Flipbook
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nachempfinden können, dass der
Holocaust viele Menschen kalt lässt,
zeigt, welchen Herausforderungen
wir uns insbesondere in der Ver-
mittlung der Erinnerungskultur
stellen müssen. Auch, dass gerade
bei Jugendlichen ein israelfeind-
liches Weltbild besonders aus-
geprägt ist, ist erschreckend und
zeigt, das gerade beim Wissen
über Israel und über den Nahost-
konflikt Nachholbedarf besteht.“
Vor dem Hintergrund, dass zuneh-
mend viele junge Menschen anti-
semitische Einstellungen und
israelfeindliche Ressentiments tei-
len, initiierte die LAG Musik NRW
e.V. in diesem Jahr im Rahmen ihrer
Präventionsarbeit zwei Projekte,
zum einen das Projekt „Jiddische
Lieder“, zum anderen den Work-
shop „Kulturbotschafter“. Während
es in den Arbeitsphasen zum
Projekt „Kulturbotschafter“ um
die Vermittlung demokratischer
Grundwerte ging, waren die Klang-
spuren zu den „Jiddischen Liedern“
in der Projektarbeit nicht allein auf
schnelle und neue Sounds aus-
gerichtet. Es ging vor allem um
die Lieder des polnisch-jüdischen
Arbeiterdichters Mordechai Gebir-
tig (1877–1942), der am 4. Juni 1942
im Krakauer Ghetto von Soldaten
des NS Regimes erschossen wurde.
In seinen Liedern hatte Gebirtig
den Rechtlosen, Armen und Aus-
gestoßenen eine Stimme verliehen
und in seinen Ghetto-Liedern zum
Widerstand aufgerufen. Im Projekt
sollte insbesondere jüdische Kul-
tur in (Ost-)Europa vor dem Holo-
caust vermittelt werden. Eine fach-
liche Expertise unterstützte und
begleitete die Projektarbeit.
Flankierend wird im Dezember
2025 diese Broschüre mit Textbei-
trägen von Max Czollek und The-
resa Lehmann veröffentlicht. Die
Texte beleuchten unterschiedliche
Themenfelder. Max Czollek lenkt
den Fokus auf jüdische Selbst-
bestimmung im Gegensatz zu
Vereinnahmung und eindimen-
sionaler Interpretation historischer
wie aktueller Zusammenhänge.
Theresa Lehmann erläutert aktu-
elle Ausprägungen und Ent-
wicklungen von Antisemitismus
in Social Media.
Die Broschüre liefert Anregungen
zur Auseinandersetzung mit
Antisemitismus als gesellschafts-
politischem Thema und zur
Beschäftigung mit jüdischer
Selbstbestimmung jenseits von
Klischees und Vereinnahmungen.
Michael Brüning, M.A.
LAG Musik NRW
Geschäftsführer
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